Ilford HP5 1979

Heute geht es um eine ganz besondere Rolle Film. Anfang des Jahres habe ich zwei Rollen abgelaufenen Film geschenkt bekommen – bei beiden handelt es sich um einen Ilford HP5 Plus. Jetzt sind abgelaufene Filme per se nichts Besonderes. Auf eBay gibt es unzählige davon. Besonders aus den späten 2000er-Jahren, als die digitale Fotografie richtig Fahrt aufnahm, Hersteller wie Kodak oder Agfa dies aber nur als Momenterscheinung und die analoge Fotografie als die Zukunft des Lichtbilds betrachteten, gibt es eine Menge Filme im Umlauf.

Analogfilm ist ein organisches Material. Die Silberhalogenid-Kristalle in der Filmschicht reagieren auf Hintergrundstrahlung genauso wie auf Licht. Über Jahre hinweg führt dies zu einem schleichenden „Verschleiern“ des Films. Farbfilm altert hierbei noch schneller als Schwarz-Weiß: Die Farbstoffe (Cyan, Magenta, Gelb) sind weit weniger stabil als Silber und zerfallen von Natur aus im Laufe der Zeit – oft ungleichmäßig, was zu extremen Farbstichen führt. So ist es jedes Mal wieder eine Überraschungskiste, wenn man eine abgelaufene Rolle einlegt.

Die besagte Rolle HP5 war sogar noch älter. Als Ablaufdatum stand das Jahr 1979 auf der Packung. Damit ist die Rolle seit 47 Jahren abgelaufen und fast fünf Jahrzehnte alt. Irgendwie hatte ich schon etwas Ehrfurcht. Aber hey, meine Kamera ist aus den 80ern – damit habe ich ein Fotografier-Set aus den Jugendjahren meiner Eltern. M6 + Offenblende + Sonnenschein reichten dann auch aus, damit ich den Film ohne Stativ auf ISO 6 belichten konnte.

Eine Kamera aus den 80ern, geladen mit einem Film von 1979: Ein Photographie-Set direkt aus den Jugendjahren meiner Eltern.

Das Ergebnis: Erstaunliche Schärfe statt Nebelschleier

Und das Ergebnis? Ja, was soll ich sagen? Seht selbst. Ich für meinen Teil bin wirklich überrascht – ich hatte mit einem dicken Nebelschleier gerechnet. Der Film kommt aber tatsächlich sehr klar und scharf raus. Nur die Entwicklung im Standbad hat er nicht so gut vertragen – das kann aber auch an mir liegen. Für eine Entwicklung eines so alten Films gibt es halt kein Entwicklungsrezept zum Einfach-Nachmischen.

Ein Gedanke zu Langlebigkeit und Obsoleszenz

Es hat schon etwas Faszierendes, mit so alter Technik Fotos aufzunehmen. In Zeiten der digitalen Technik, in denen ein Gerät – sei es eine Digitalkamera, ein Smartphone oder ein Fernseher – meist nach spätestens fünf Jahren ausgetauscht wird, zeigt uns die analoge Technik, wie langlebig solche Gerätschaften doch eigentlich sein können.

Obsoleszenz bezeichnet den Zustand oder Prozess, in dem ein Produkt, ein technisches Bauteil oder Wissen veraltet, unbrauchbar oder nicht mehr verfügbar ist, obwohl es oft noch funktionstüchtig wäre. Mich hat es schon immer genervt, wenn Technik nicht mehr funktioniert, nur weil ich kein Update mehr bekomme oder der Akku nicht getauscht werden kann.

Am Ende bin ich dann doch sehr dankbar für die Kamera, die ich habe, und hoffe, dass sie mich überleben wird. Da ich weiß, dass bis auf den Belichtungsmesser keine Elektronik verbaut ist, ist das wohl auch gar nicht so unwahrscheinlich.


Tech Specs:

  • Kamera: Leica M6
  • Film: Ilford HP5+ (Ablaufdatum 1979, belichtet auf ISO 6)
  • Entwicklung: Heimentwicklung (Standentwicklung in Rodinal 1:100)