
Zwischen Nebel und Filmkorn – Ein analoger Moment im Dezember
Nach Wochen, in denen fast ausschließlich digitale Aufnahmen dominieren, hebt sich das Foto dieser Woche als willkommene Ausnahme ab – eine rein analoge Aufnahme, die in ihrer Reduktion und Intensität besticht. Mit meiner Leica MP und dem Kantere 400 Film habe ich an einem nebligen Dezembermorgen gearbeitet – einem Tag, der zunächst wenig einladend wirkte, da der dichte Nebel und die klirrende Kälte jegliche Farbpracht zu überlagern schienen.
Gerade in solchen Momenten zeigt sich der unschlagbare Charme der Schwarzweißfotografie. Die Entscheidung, auf Farbe zu verzichten, war fast instinktiv: Hätte ich digital in Farbe gearbeitet, hätte ich das Ergebnis wahrscheinlich verworfen, denn weder die Farbtöne noch die Stimmung hätten meinen Ansprüchen genügten. Stattdessen konzentriert sich das Bild vollends auf das Wesentliche: Ein unförmig geformter Ast, der markant aus dem dichten Nebel hervortritt, wird zum stillen Protagonisten – eingebettet in eine Szenerie, in der nach wenigen Metern der Horizont vollständig im Nebel verschwindet.
Die gewählte Schwarzweißdarstellung, verstärkt durch das charakteristische Filmkorn, verleiht dem Bild eine leicht schaurige, fast mystische Atmosphäre. Diese nüchterne Reduktion, ohne übertriebene Sättigungsanpassungen, HDR oder künstliche Bearbeitungseffekte, unterstreicht den authentischen Moment und zeigt, dass manchmal das Reduzieren auf das Essenzielle mehr ausdrückt als jede digitale Nachbearbeitung.
Dabei wird deutlich, wie stark die Wirkung einer Aufnahme von der Wahl der richtigen Aufnahmemethode abhängt. Ein tolles Motiv – so scheint es – benötigt oft lediglich die passende Technik, um die Erinnerung so einzufangen, wie man sie erlebt hat. In diesem Fall hat der analoge Ansatz nicht nur den Charakter des nebligen Dezembermorgens eingefangen, sondern auch eine gewisse zeitlose Stimmung geschaffen, die den Betrachter unmittelbar in ihren Bann zieht.
Diese Aufnahme erinnert daran: Manchmal ist Schwarzweiß-Fotografie alles, was Farbe sein muss – eine Entscheidung, die mir gerade an frostigen, nebligen Tagen erlaubt, den Moment in seiner reinsten Form festzuhalten.
„Weniger ist mehr“
– Ludwig Mies van der Rohe
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