Es werde Farbe. Die letzten Beiträge hier waren eher farblos, daher soll es in diesem Eintrag um Farbe gehen - speziell um Farbnegativfilm und den Prozess der Entwicklung.
Die Entwicklung von Schwarz-Weiß-Film begleitet mich schon seit dem Beginn meiner analogen Reise. In diversen Foren wird gerne propagiert, dass die SW-Entwicklung relativ einfach sei und eigentlich zum Einmaleins jedes Analog-Enthusiasten gehören sollte. Die Farbentwicklung hingegen wird oft als vergleichsweise komplex dargestellt. Nun wollte ich mich endlich selbst an diesen - ach so komplexen - Prozess heranwagen.
Anfang des Jahres zog eine Rotationsmaschine bei mir ein: eine Jobo CPE2. Ich greife schon mal vorweg, aber diese Maschine macht den Prozess um einiges einfacher. Es ist quasi die Farbentwicklung im „Easy Mode“ – wobei diverse Anbieter von Entwicklungschemie die Rotation ohnehin ausdrücklich empfehlen.
Was macht den Prozess nun wirklich „komplex“?
Nachdem die Chemie bestellt war (ganz klassische C-41 Chemie für klassischen Farbfilm), ging es an den Praxistest. Ich würde im Nachhinein nicht sagen, dass es unbedingt komplexer als Schwarz-Weiß ist. Es sind lediglich mehr Variablen zu beachten:
- Beim Anmischen müssen exakt mehrere Schritte eingehalten werden.
- Die Temperatur der Chemie muss ziemlich genau bei 38 Grad gehalten werden.
- Die angemischte Farbchemie hält sich bei Weitem nicht so lange wie SW-Konzentrate wie etwa HC-110 oder Rodinal.
Es ist also womöglich etwas umständlicher, aber das war es dann auch schon. Trotzdem war ich aufgeregt wie seit meiner Abiprüfung nicht mehr.
Das Ergebnis: Perfektion vs. Magie
Ich bin kein Profi und scanne zu Hause nicht mit einem Noritsu- oder Frontier-Scanner, wie es die Profilabore tun. Im direkten Vergleich fallen meine selbst digitalisierten Farbfilmbilder dagegen ab.
Was aber absolut unersetzlich ist, ist das Gefühl, wenn der Film aus der Entwicklungsdose gezogen wird und man die Negative zum ersten Mal gegen das Licht betrachten kann. Es hat etwas echtes Magisches, wenn man den gesamten Prozess komplett selbst in der Hand hat.
Ab jetzt nur noch „Handmade“?
Ich werde auf jeden Fall wieder Farbfilm selbst entwickeln, allerdings nicht ausschließlich. Die Zeit, die der gesamte Prozess in Anspruch nimmt, ist nicht zu vernachlässigen. Ich habe nun insgesamt 14 Rollen Farbfilm selbst entwickelt und dafür sind so einige Nachmittage draufgegangen. Die nächsten Rollen gehen daher erst einmal wieder in das Labor meines Vertrauens zu Urbanfilmlab.
Zum Abschluss hier noch ein paar fertige Fotos - alle selbst entwickelt mit der C-41 Chemie von Adox und digitalisiert mit einer Fujifilm X-T5 und dem Valoi Easy 35.