Saisonaler Purismus: Ein Winter in Schwarz und Weiß

Die letzten Monate waren meine analogen Aufnahmen vor allem von zwei Farben geprägt: Schwarz und Weiß. Ich habe seit November letzten Jahres sechs Schwarz-Weiß-Filme belichtet. Vermutlich bin ich, wenn auch nicht bewusst, ein saisonaler Fotograf.

Klar greife ich in den Sommermonaten auch zu monochrome Film. Gerade bei harten Kontrasten durch die tiefen Schatten in der Mittagszeit bietet sich Schwarzweiß-Film sehr an. Die Wintermonate sprechen mich hier aber noch viel mehr an. Insbesondere die Waldszenen mit Nebel.

In dem Moment, in dem ich hier in den heimischen Wäldern rund um den Voithenberg und Gibacht unterwegs bin und die Nebeldecke tief hängt, die Sonne nur diffus durch die Baumkrone schimmert – bietet sich die Reduktion der Sättigung auf das Minimum an. Durch den Nebel und das wenige Licht ist sowieso kaum das Grün und Gelb vom moosbedeckten Boden erkennbar. Die Reduktion auf die Graustufen bringt hier die Stimmung, die ich in dem Moment wahrgenommen habe, am besten wieder.

Aber nicht nur bei den Waldspaziergängen hat mich der S/W-Film begleitet. Auch bei Familienaufnahmen (analog und digital) habe ich die letzten Monate mehr auf Schwarzweiß gesetzt. Ich habe versucht, mir bei der Nachbearbeitung (digital) die Frage zu stellen:

„Bereichert Farbe diese Szene, oder lenkt sie nur ab?“

So entscheide ich hier ganz situationsbedingt. Analog ist die Wahl fest. Das fotografieren mit S/W-Film zu fotografieren zwingt mich, in Formen, Linien und Lichtwerten zu denken statt in bunten Reizen. Es ist eine weitere Form der Konzentration. Ein Weglassen des Unwichtigen, um den Kern der Szene zu finden.

Auch wenn die Tage wieder länger werden und der Film in der Kamera wohl in Zukunft wieder farbiger wird, werde ich wohl öfter zu HP5+TRI-X und Co. greifen, wenn ich einen neuen Film einlege.

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